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Kritiken

Mit Wehmut

 

Ein schwarzer Rollkoffer, allein, mitten auf dem weißen Tanzboden der leegeräumten Bühne. Dazu erklingen Songs von Judy Garland, mit der Patina und dem so unnachahmlichen Orchester-Sound der Nachkriegsära. Als das Fernsehen noch neu war, als man nach Glamour hungerte, als der Krieg gerade vorüber war, aber noch in tiefen Verletzungen nachhallte.

 

Im kleinen Schwarzen und Stilettos erinnert…

Glücksspiel in Roulettenburg

 

Sommerfrische in einem deutschen Kurort. Die Attraktion: das Spielkasino. Alexej, leidenschaftlich und obsessiv in Polina verliebt, entdeckt bald eine andere Leidenschaft, die ihn alles andere vergessen lässt. Für Martin Laberenz’ Inszenierung nach Dostojewskiys Roman "Der Spieler" hat Volker Hintermeier in seinem Bühnenbild dafür ein eingängiges Bild gefunden, so spielt sich das ganze Geschehen…

Wie gemalt

 

In 200 Jahren hat die Welt sich ziemlich gewandelt und von der politische Brisanz des Stoffes der "Nozze di Figaro" in Mozarts Oper nach der Komödie von Beaumarchais ist nichts mehr übrig geblieben. Die Standesschranken und die Allmacht des Adels ist verschwunden und mit ihr das jus primae noctis (das Recht des adligen Herrn auf die erste Liebesnacht seiner weiblichen Untergebenen). Eine…

Was bleibt?

 

Verschwinden, Bewahren, Erinnern, darum kreisen Ludwig Haugk und Stefan Schneider in ihrer Collage "Enthusiasm IX". In Hoyerswerda erobert sich die Natur ein Abrissgebiet zurück, in Wuppertal verschwindet das Naturkundemuseum, in Düsseldorf verschwinden die Tierplastiken des Künstlers Josef Pallenberg, die Künstlerin Chris Reinecke verschwindet hinter ihrem Alter Ego, die Luftbildaufnahmen der…

Der Retter in der Not

 

Im Nu sind die Plakate der Occupy Bewegung von der Fassade des Bankgebäudes entfernt, und die Mini-Demonstration aufgelöst. Das Gebäude mit grünem Marmor und Holzvertäfelung erinnert in seiner imposanten Architektur an ein Institut an der Kö. Leicht ironisiert wird dieses Gebäude der Machtdarstellung durch die pompöse Treppe, die eher einem Varieté entsprungen zu sein scheint. Natürlich kleidet…

Unheimlich

 

Nichts ist, was es scheint in Benjamin Brittens Oper "The Turn of the Screw" nach der Erzählung von Henry James. Eine Gouvernante tritt ihre neue Stelle auf dem Lande an, wo sie zwei elternlose Kinder betreuen soll. Unter ihr unbekannten Umständen sind der Verwalter Peter Quint und die vorherige Gouvernante Miss Jessel umgekommen. Aber sie schienen immer noch einen unheilvollen Einfluss auf die…

Körperarbeit

 

Schrilles Geschrei wie von hoch in der Luft fliegenden Schwalben ertönt, ein Video zeigt Körperformationen in kaleidoskopartiger Verzerrung, unterbrochen von Kreuzzeichen. Dann setzt ohrenbetäubendes Grillengezirpe ein. Der Frühling ist bereits vorbei. Langsam bewegt sich ein Tänzer aus dem Dunkel auf die Bühne, Strawinskys "Le Sacre du Printemps" erklingt.

 

Meryl Tankard bezieht sich in ihrer…

Die Frage nach dem richtigen Handeln

 

Kapitän Vere wird sich erst am Ende seines Lebens bewusst, dass er sich auch hätte anders verhalten und so den Tod eines Menschen hätte verhindern können. In einer Rückblende erzählt Benjamin Brittens Oper "Billy Budd" von den Geschehnissen auf einem britischen Kriegsschiff Anfang des 19. Jahrhunderts. Auf einem Handelsschiff sind Billy Budd und zwei Kameraden zum Kriegsdienst gepresst worden.…

Verloren in der Welt

 

Zunächst ein einzelner, geduckter Tänzer auf der Bühne, damit ist schon zu Beginn von Martin Schläpfers "7" der Ton seiner neuen Choreographie angestimmt. Gustav Mahlers 7. Sinfonie bildet die musikalische Grundlage und in der episodenhaften Ausgestaltung nimmt er Bezug auf Mahlers Biografie, Mahlers Ausgegrenztsein in der Welt, sein Gefühl des Fremdseins in einer Zeit des spürbaren…

Opferung

 

Kirchturmglocken erklingen in der Dunkelheit. Es ist Nacht und damit Zeit für das Erscheinen traumhafter Wesen. Diese sind Transformationen mythischer Gestalten. Angeregt von Igor Strawinskys "Le Sacre du printemps", dessen Uraufführung sich in diesem Jahr zum 100. Mal jährt, verknüpft Akram Khan verschiedene Legenden miteinander. Gleich zu Anfang greift er auf eine andere prominente…

Liebe in Zeiten der poltischen Unruhe

 

Auch wenn es paradox klingt: es sind vergleichsweise ruhige Zeiten, in denen man sich Eifersucht leisten kann. Wie die desolaten politischen Verhältnisse eines Polizeistaates das private Glück beeinträchtigen können, zeigt die Oper "Tosca". Die titelgebende Heldin lebt zu Anfang noch ganz der Kunst als Sängerin - und der Liebe zu dem Maler Cavaradossi. Sie erscheint etwas divenhaft verwöhnt,…

Luisa im Puppenheim

 

Luisa ist jung, aber so jung denn doch nicht, wie Carlos Wagner sie macht! In seiner Inszenierung von Verdis Oper "Luisa Miller" für die Deutsche Oper am Rhein räkelt sich die Protagonistin im Nachthemd, aus dem sie nicht mehr herauskommt, behaglich im Bett ihres Kinderzimmers. Dieses ist mit kindlichen Wandkritzeleien von oben bis unten bedeckt. Benötigt sie Trost, taucht Laura als…

Fast wie im richtigen Leben

 

Verstaubte ficus benjamini stehen im Vorzimmer des smarten Minister Narbonne, der gerade sein Amt angetreten hat, ganz unerfahren ist und natürlich alles anders als sein Vorgänger machen will; es soll aufgeräumt, alte Seilschaften sollen gekappt werden. Da er aber anscheinend lieber seinen diversen sportlichen Vergnügungen nachgehen möchte - Moritz Führmann überrascht dabei in ständig…

Alptraumhafter Mythos

 

Ein eckiger grauer Bau, mit gezackten Türschlitzen und offenen dunklen Fensterhöhlen, einladend ist der Königsplast nicht, stattdessen düster und abweisend. Man ahnt, dass hier das Vergnügen nicht zu Hause ist. Er füllt fast die ganze Bühne aus, bedrängt den Agierenden und lässt ihm kaum Bewegungsmöglichkeiten; die Bühnenarchitektur als mächtiges, eindrucksvolles Sinn- und Stimmungsbild für das…

Zwischenzeilen

 

Zeitungen liefern Informationen zu Ereignissen von gestern oder weisen auf Zukünftiges hin, das Gegenwärtige, gerade Stattfindende bleibt jedoch ausgespart. Mit "Re:Zeitung" beziehen sich sechs Tänzer von P.A.R.T.S. FOUNDATION/Anne Teresa De Keersmaeker auf ihr 2008 produziertes Stück "Zeitung". Aber der Titel liefert keinen Anhaltspunkt für das Verständnis.

 

Die Bühne ist leer wie ein…

Variationen von Einsamkeit

 

Faune und Nymphen sind aus unserem profanen Leben inzwischen ganz verschwunden, aber die narzisstische Einsamkeit mythologischer Wesen lässt sich auch in heutigen Menschen wiederfinden. Jerome Robbins hat seine 1953 kreierte choreographische Interpretation von Debussys "Prélude à l’après-midi d’un faune" in einen Ballettraum verlegt. Dazu inspiriert wurde er durch eine eingefangene…

Naturgesetz

 

Empörung löste 1809 Goethes Roman "Die Wahlverwandtschaften" bei moralisch empfindenden Lesern aus, ging es doch scheinbar um Ehebruch. Goethe setzte menschliche Paarbeziehungen in Analogie zu einem chemischen Experiment. Er nimmt dabei die Rolle eines neutralen Beobachters ein und stellt die Frage, ob die Natur in allen Lebensgebieten wirkt. So wird der Roman zur Analyse der Antagonismen von…

Verwandlungen

 

Wie schnell ist der Zauber der ersten Tage verschwunden! Die Kaiserin ist noch nicht erwacht, da begibt sich ihr Gatte schon zum Jagdvergnügen. Die Färberin findet sich in einem Hausstand voller unnützer, sie plagender Verwandter wieder, während ihr Mann seiner Arbeitswut frönt oder sich ein Gläschen gönnt. Kein Wunder, dass sie frustriert und zickig ist. Beide Frauen sind kinderlos, wie sollten…

Kirmesvergnügen

 

Auf der Kirmes kann schon mal die Liebe abhandenkommen. Karoline will Spaß, Achterbahn fahren und Eis essen. Kasimir hat gerade seine Arbeit verloren, ist daher unausstehlich und vermasselt den ganzen Abend. Kein Wunder, dass sich Karoline bald mehr für den smarten Schürzinger interessiert, zumal sich Kasimir lieber mit dem zu Gewaltausbrüchen neigenden Kriminellen Merkl Franz abgibt.

 

In…

Kontrollverlust?

 

Er versteht sie nicht, sie versteht ihn nicht. Wie sollten sie auch? Verstehen sie sich selbst doch nicht. Dass Männer und Frauen Kommunikationsschwierigkeiten haben, ist alt bekannt.

 

Im Stück "Rausch" von Falk Richter und Anouk van Dijk wird dieses private Beziehungsgeflecht im ersten Teil in genau beobachteten Dialogen thematisiert. Das falsche Bild, das man sich vom anderen macht, wird in…

Zwischen Traum und Wirklichkeit

 

An der Wirklichkeit kann man schon einmal verzweifeln! Zumal wenn es sich um ein Leben in den stürmischen Zeiten Anfang des 19. Jahrhunderts handelt. E. T. A. Hoffmann hat für sich ein Gegenmittel in der Poesie gefunden. In seinen Erzählungen bricht in das harmlos bürgerliche Biedermeieridyll unversehens das Phantastische ein. Markus Bothe hat sich diese Verfahrensweise für sein Bühnenstück…

Nebelschwaden

 

Laute Musik zieht den Zuschauer in den Theaterraum. Vier Männer im weißen Tennisdress spielen ein imaginäres Tennisspiel in Nebelschwaden. So beginnt Ben J. Riepes Stück "Don't Ask. Don't Tell", das in Zusammenarbeit mit dem indischen Tänzer und Choreographen Navetej S. Johar im Jahr 2012 entwickelt wurde. Es sind einzelne Sequenzen, die lose zusammengefügt sind.

 

Ein Tänzer klebt sich einen…

Die Natur erwacht

 

Wie ein großer Vogelschwarm erscheinen die Tänzer auf der Bühne, die Türen wurden eben erst geschlossen, das Licht im Zuschauerraum ist noch nicht erloschen. Das erste Stück des Ballettabends in der deutschen Oper am Rhein beschäftigt sich mit dem Individuum und der Gruppe. Aus der dynamisch-heiteren Gruppenformation lösen sich immer wieder Einzelne heraus in Posen voller Trauer und Verzweiflung…

Der Tanz der Trolle

 

Was für ein Lebenslauf! Der Vater verspekuliert sich, wirtschaftet den Hof herunter und stirbt als Alkoholiker. Die verbitterte Mutter vergöttert ihren Sohn einerseits, anderseits schlägt und entwertet sie ihn, der klassische double bind. Peer Gynt, der Sohn, flieht in Lügen und Fantastereien, wird von den anderen ausgegrenzt und zum Außenseiter. Er ist kein Unschuldslamm. Ingrid entführt er…

Das angeschlagene Selbstgefühl

 

Zwei Inszenierungen ihres Intendanten Johan Simons hatten die Münchner Kammerspiele an den Osterfeiertagen 2013 auf dem Spielplan. Der Titel ist jeweils schlicht und folgerichtig ein Männername. In beiden Stücken geht es zentral um das Schicksal eines Mannes, der in seinem Wirkungsbereich eine umstrittene Rolle spielt und der bittersten Verachtung anheimfällt.

 

Zuerst als deutschsprachige…

Wer zuletzt lacht

 

Von "politischer Korrektheit" hat man zu Verdis Zeiten noch nichts gehört, und so wird Falstaff in zahlreichen Varianten als Dickwanst beschimpft. Der Umfang seines Bauches deutet auf die Freuden sinnlicher Genüsse hin und steht proportional umgekehrt zum Inhalt seiner Geldbörse: Falstaff ist pleite und sucht nach einem Ausweg. Von Ehre hält er nicht viel, und so gedenkt er seiner klammen…

Das Meta-Ding

 

Ein Mann steht mit dem Rücken zum Publikum auf der Bühne, unbeweglich, breitbeinig, von einem großen Spot beschienen, während ihn die Drehbühne langsam dem Publikum zuwendet. Er trägt die Insignien der Coolness; dessen, der sich nicht in die Karten gucken lässt: dunkler Anzug, Hut, schwarze Sonnenbrille und spitze Macker-Lackschuhe. Dann aber breitet der Mann sein ganzes Blatt vor dem Publikum…

Nachdenken über Heiner M.

 

Wenn man ins Nachdenken kommt, kann das schon einmal zur Verwirrung führen. Was ist die Wahrheit, die Wirklichkeit, stimmt die eigene Wahrnehmung? Oder ist alles nur Täuschung, Fiktion?

 

Kris Verdonck spielt mit dieser Art der Verwirrung, indem er in seinem Stück "M a reflection" dem wirklichen Schauspieler Johan Leysen einen Doppelgänger gegenüberstellt, mit dem er in einen Dialog tritt.…

In der Zwangsjacke durch den Sturm

 

Eine trügerische Ruhe liegt über der Stadt. Die schmale, tiefe Bühne mit ihren hohen schwarzen Wänden, die sich nach hinten verjüngen, wirkt eng und unbeweglich wie eine Felsschlucht. Raumgreifende, farbenfrohe Hollywoodschaukeln können nicht über diese beklemmende Atmosphäre hinweg täuschen, die die Geschichte bestimmt.

 

Heavenly (Maike Jüttendonk), Tochter aus so genanntem gutem Hause,…

Theater-Fuck

 

Die Geschichte ist schnell erzählt: Im antiken Griechenland bekämpfen sich Athen und Sparta seit zwanzig Jahren im Peleponnesischen Krieg. Zermürbt von der Sinnlosigkeit dieser Kämpfe verschwören sich die Frauen beider Seiten mit Lysistrata an ihrer Spitze. Sie treten in einen Sexstreik, um von ihren Männern den Frieden zu erzwingen – mit Erfolg. Ende.

 

Rebekka Kricheldorf (Textbearbeitung)…

Kritiken

Distanziert

Man hat sich fein gemacht für das Fest bei den Capulets, alles glänzt und glitzert, die Damen tragen weite Tellerröcke…

Von: Dagmar Kurtz

Zwischen Leichtigkeit und Schwere

Mit gleich drei neu konzipierten Stücken wird das Düsseldorfer Publikum vom Ballettabend "B39" in der Deutschen Oper am…

Von: Dagmar Kurtz

Der Sturm im Wasserglas

Ein schwarzgekleideter Mann in einer Sporthose mit den drei berühmten Streifen und mit Motorradhelm steht auf der Bühne,…

Von: Dagmar Kurtz

Stilwechsel

Ein Stück von John Ford, einem Zeitgenossen William Shakespeares, bildet die Grundlage für das Libretto der soeben…

Von: Dagmar Kurtz

Abwärts

Haushohe Bretterverschläge, die sich verschieben, sich verdrehen, zu Labyrinthen werden, in denen sich K. in der…

Von: Dagmar Kurtz

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