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Kritiken

Zwischen Revolte und Resignation

 

Die gesellschaftlichen und politischen Bedingungen am Anfang des 19. Jahrhunderts analysierte Georg Büchner in seinen Werken mit sezierendem Blick. Er stellte den Einzelnen in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen und zwar in dem Moment seines individuellen Scheiterns.

 

Falk Richter hat aus Büchners Texten, überwiegend aus "Lenz", "Woyzeck" und Auszügen aus seinen Briefen, für das Düsseldorfer…

Der verführte Verführer

 

Don Giovanni der Verführer, der ewige Frauenheld? Karoline Gruber wirft in ihrer Insze¬nierung für die Deutsche Oper am Rhein einen genaueren Blick auf das Libretto und zeigt, dass die Damen sich nur allzu gern von ihm verführen lassen, sind ihre Verlobten doch durchweg spießige Langeweiler. Und die Gewaltanwendung erfinden sie, um ihren guten Ruf zu wahren. Karoline Gruber zeigt, dass die…

Im Strudel der Gefühle

 

Ein zunächst leichter, leiser Bewegungsimpuls entwickelt sich in atemberaubenden Tempo in fließenden Bewegungen weiter. Körperzittern wird bei Louise Lecavalier zu einer ungeheuer faszinierenden weichen Gelenkigkeit, die an Schlenkerpuppen ohne Knochenbau denken lässt. Ihr Bewegungsvokabular orientiert sich an Hiphop- und Techno-Bewegungen. Zwischendurch fließen auch Körperhaltungen des Yoga…

Beziehungen

 

Es ist das Vokabular des klassischen Tanzes, das George Balanchine in seinem 1941 uraufgeführten Werk "Concerto Barrocco" verwendet, jedoch erlaubt er sich subtile Modifikationen. Er lässt Arme schwingen, Hüften werden ausgestellt, parallele Fußstelllungen werden mit angezogenem Knie und herausgestrecktem Gesäß verschliffen. Das Corps de ballet aus acht Tänzerinnen, in überwiegend zwei…

Die Schönheit der Reduktion

 

Die Bühne ein leerer dunkler Raum. Zu Bachs "Air" erscheinen nach und nach acht Tänzer und schreiten das Bühnenkaree ab. Im Rhythmus dazu das Klackern der Stöckelschuhe der beiden Tänzerinnen. Nichts weiter als Gehen in einem sich repetierenden Fluss. Körper, die der Musik zu lauschen scheinen. Körper, die die Geometrie des Raumes und die Geometrie der Gesten erkunden. Hoghe spart an Gesten. Er…

Es bleibt in der Familie

 

Richard von Gloucester wird weder gefürchtet noch geliebt. In Staffan Valdemar Holms Inszenierung für das Düsseldorfer Schauspielhaus macht man sich lustig über ihn, imitiert sein Krüppeltum, hetzt verbal eine Hundemeute auf ihn. Auf einem Sammelsurium von Stühlen haben die Schauspieler Platz genommen. Sie verfolgen unbeteiligt das Geschehen, es sei denn ihr Auftritt hat zu erfolgen. Auf den…

“Narcisses” von Coraline Lamaison im Tanzhaus NRW in Düsseldorf

 

Die Selbstbeweihräucherung der Kunstszene nimmt Kate Strong ironisch auf die Schippe. Das scheinbar nicht enden wollende Name-dropping von illustren Regisseuren und Choreographen kehrt sie um, indem sie behauptet von diesen allen gefeuert worden zu sein, was natürlich impliziert, dass sie zunächst erst einmal von ihnen engagiert worden sein muss, gleichzeitig damit andeutend, verkannt und…

Scherbengericht

 

Das Gericht tagt zwischen Baugerüsten. Der Dorfrichter Adam hat die letzte Nacht nicht gut überstanden. Für seine offensichtlichen Malträtierungen denkt er sich bizarre Lügen aus. Und wie es das Schicksal so will, trifft ausgerechnet jetzt der neue Revisor im Dorfe ein. Zudem ist Adam auch persönlich in den zu verhandelnden Gerichtsfall involviert, was er jedoch zu vertuschen versucht. Das…

Die Träume des Andrej Mogutschi

 

Ein Fest für Requisite, Bühnentechnik und Kostümbildnerei! Der Regisseur Andrej Mogutschi schöpft aus dem Vollen, um seine Traumphantasien umzusetzen. Absurdität und Surreales haben es ihm angetan. In schnellem Wechsel dreht sich die Bühne in verschiedenen Ebenen, man schwebt in Booten am Himmel und am Boden, Wolken und behütete Männer ziehen vorüber wie auf René Magrittes Bildern. Gewagte…

Endloses Warten

 

Wie Marionetten hängen die Tänzerinnen an Gurten bevor sie von einem Magier zum Tanzen gebracht werden. "Non finito" von Evgeny Panfilov Ballet/Larisa Alexandrova spielt mit der Geschichte der mechanischen Puppe wie sie auch schon in Coppélia erzählt wird. Neu ist hier die freakhafte Gestalt des Magiers, der genauso wie seine Puppen zu Tangomusik der 30er Jahre einem Schuhfetischismus frönt. Und…

Freiheit bis in den Tod

 

Leidenschaft, Eifersucht und unbändiger Freiheitsdrang, das sind die Ingredienzien von Georges Bizets Oper "Carmen", die aufgrund ihrer Erzählstruktur und der eingängigen Musik zu einer der beliebtesten Opern zählt. Carmen ist eine Frau, die sich keiner Regel und keinem Menschen unterwerfen will und, statt ihre Freiheit einzuschränken, lieber den Tod wählt. Don José ist derjenige, der all sein…

Ein teuflischer Pakt

 

William Hogarths berühmte Kupferstichserie aus den Jahren 1732/33 über die Abenteuer eines Wüstlings hat Igor Strawinsky zu seiner gleichnamigen Oper "The Rake's Progress" inspiriert. Hogarth ist dabei moralisch-satirisch, Strawinsky macht daraus eine Moritat in Mozart'scher Manier.

 

Größer könnte der Kontrast nicht sein: Im ersten Bild idyllisches Landleben, ein schlichtes, karges Holzhaus…

Tänzerische Verführungen

Wie entsteht ein Kunstwerk? Antoine Jully gibt in seiner Choreographie von "Inside" einen Einblick in den künstlerischen Schaffensprozess und beantwortet diese Frage auf unge¬wöhnliche Weise. Ein Künstler sitzt an einem Zeichentisch und führt eine Tänzerin als Pinsel über ein imaginäres Stück Papier. Bald jedoch werden die Bewegungen abstrakter. Die Begrenzung der Malerei auf die Fläche wird hier…

Die ganze Welt ist ein Bühne

Ein raffiniertes Spiel mit Schein und Wirklichkeit, aber auch mit falschen Vorstellungen, die man sich von sich selbst und voneinander macht, das ist das Thema von Pierre Corneilles vielschichtiger Tragikomödie "Illusion". Geistreiche Dialoge, Verwechslungen, Täuschungen und Selbsttäuschungen, Liebeschwüre, Lug und Trug, Tode, Gefechte, Bühnenklappen und Drahtseilakte, fast das ganze Repertoire…

Im Kino der Gefühle: Rolle rückwärts ins Glück?

Im nordischen Irgendwo stehen Wohncontainer in schneeiger Landschaft. Hell beleuchtet gewähren sie dem Zuschauer Einblicke ins Alltagsleben eines verliebten Pärchens, einer schwangeren Singlefrau, eines Arbeitslosen auf Freiersfüßen, eines Callboys. In "32 rue Vandenbranden" erzählt Peeping Tom ein groteskes Wintermärchen aus einer Welt zwischen Traum und Wirklichkeit. Komisch, humorvoll und…

Vom Schaufeln der Erde

Erde, tonnenweise dunkelbraune Erde den Bühnenboden bedeckend. Keine Spuren von Vegetation. Hinter einem kleinen Hügel steigen menschliche Wesen hervor. Assoziationen zu Bildern anderer Stücke stellen sich ein, an die in Erde eingegrabene Winnie aus Becketts "Glückliche Tage", an Pina Bauschs "Sacre du Printemps", an Antigone, die in der Erde scharrt, an die Erschaffung des Menschen... Und…

Schwärmen in Sevilla

Es ist eine alte Geschichte um Liebe, Rivalität und Geld, wobei letzteres bei weitem das Hauptinteresse zu sein scheint. Die reizende Rosina wird von ihrem Vormund Doktor Bartolo wie eine Gefangene gehalten. Um sie sich und vor allen Dingen ihr Vermögen zu sichern, bereitet Bartolo die Hochzeit mit ihr vor. Graf Almaviva bekundet ebenfalls Interesse an der Schönen und schaltet Figaro als…

Sportlich

Anlässlich einer Ausstellung zum Werk von Yvonne Rainer im Kölner Museum Ludwig waren im Tanzhaus NRW in Düsseldorf zwei ihrer Stücke als deutsche Erstaufführung zu sehen. Yvonne Rainer gründete 1962 zusammen u. a. mit Trisha Brown und Meredith Monk das Judson Dance Theater, in dem der postmoderne Tanz seinen Ursprung hat. Damals geradezu revolutionär war die Integration von Alltagsgesten und…

Die Tragik der Illusion

 

Ein riesiger schwarzer Schiffsbug ragt in die mit japanischen Papierwänden umstellte Bühne. Rote Stege mit der Kontur der japanischen Inseln bedecken den Boden. Die Bühnenaus¬stattung weist damit symbolisch auf den Konflikt in der Oper "Madama Butterfly" hin, die jetzt als Wiederaufnahme einer Inszenierung aus dem Jahre 1997 in der Deutschen Oper am Rhein zu sehen ist. Robert Carsen beruft sich…

Lichtblitze in der Dunkelheit

 

Ein Lichtband, das über die Bühnenwand läuft, ist zunächst das Einzige, was sich in Saburo Teshigawara Stück "Mirror and Music" bewegt, während ein Tänzer, es ist Teshigawara selbst, bewegungslos bleibt. Dann fallen kurze Spotlights auf einzelne Szenen, während der Rest der Bühne in vollkommener Dunkelheit bleibt. Die Tänzer in dunklen Kutten, nur ihre Gesichter sind partiell erhellt. Kleine…

Verborgenes

 

Ein Vorhang aus eisernen Ketten schirmt den quadratischen Hinterhof ab. Es ist ein Ort der sexuellen Übergriffe, der Gewalt, ein Ort, der dem Blick der Öffentlichkeit entzogen ist. Das Geschehen spielt sich im Verborgenen ab, bis die Ketten krachend zu Boden fallen. In Ihrem Stück "Backyard" nehmen sich Uri Ivgi und Johan Greben des Themas des Missbrauchs an, das aber ästhetisch sehr soft…

Ein Leben in Angst

 

Das Gefühl der Angst bestimmt Blanches Leben von Geburt an. Ihre Mutter musste anlässlich eines Festes vor der in Panik geratenen Menge fliehen, bei der zu frühen Niederkunft stirbt sie. Während der Vater Blanches Ängste gar nicht wahrnimmt, neigt ihr Bruder dazu, sie zu sehr zu beschützen, was erst recht zu einer Manifestation dieser existentiellen Ängste führt. Aus Angst vor der Angst tritt…

Liebeswirren

Ein Opernstoff im Kleines Haus des Schauspielhauses, kann das gut gehen? Ja, es kann. Können die singen? Ja, sie können (jedenfalls fast alle).

 

Eine halbrunde Bühnenwand aus lauter Tapetentüren, oben, unten, mittig, rechts und links, ein kostbares Intarsienparkett und zwei Cembali reichen als Bühnenausstattung. Ein Orchester gibt es nicht, daher wird die Ouvertüre vom Team auf "pam" a capella…

Kein Glück nirgends

 

Glück, was ist das? Ein mehr oder weniger kurzer Zustand vollkommener Zufriedenheit und Wunschlosigkeit, ein erhebendes Gefühl, das man zu erhaschen und festzuhalten sucht. In "The Happy Living Trilogy" scheinen Stephanie Thierschs Protagonisten jedoch meilenweit vom Glück entfernt.

 

In dem Solo "White Landing", dem ersten Teil der Trilogie, versucht die Tänzerin I-Fen Lin sich schmerzhaft und…

Ein himmlischer Festakt

 

Castor und Pollux sind Zwillingsbrüder, in einer Nacht gezeugt, dieselbe Mutter, zwei verschiedene Väter. Jupiter ist der Vater von Pollux, was diesen zum Halbgott und damit unsterblich macht. Castor dagegen ist ein normaler Sterblicher. Die Brüder sind sich innig zugetan. Beide lieben dieselbe Frau, Télaire, die aber nur Castor liebt und einem Dritten, Lynkeus, versprochen ist. Im Kampf mit…

Der Körper als Objekt

 

Abstrakt, kühl, minimalistisch, von höchster Präzision, mit anstrengendem, technischen Sound und ausgeklügelter Lichtführung, das ist die Gemeinsamkeit beider Stücke des japanischen Choreographen Hiroaki Umeda, die jetzt im Tanzhaus NRW zu sehen waren.

 

Für das Stück "3 isolation" mussten die drei Balletttänzerinnen ihre klassische Ausbildung vergessen und ihren Schwerpunkt von der Spitze auf…

Verfall und Verbrechen

 

St. Petersburg im Jahre 1920. In den Wirren der Revolutionstage herrscht Unsicherheit, Hilflosigkeit und Hunger. Während einige den alten Zeiten nachhängen, andere Haltung zu bewahren, sich zu arrangieren oder in religiösem Erweckungserlebnissen eine Gegenwelt aufzubauen suchen, übernehmen Schieber und Schwarzmarkthändler die Macht; sie sind die großen Profiteure der Umbruchsituation. Gewalt und…

"Exposition universelle" von Rachid Ouramdane im Tanzhaus NRW in Düsseldorf

 

Ein tickendes Metronom, ein lautsprecherartiges Objekt, eine kreisende Stehlampe, auf einer sich langsam bewegenden Drehscheibe ein pechschwarz geschminkter Mann. Eine Bühne voller technischer Spielereien, aber anders als bei den poetischen Tinguely-Objekten von mechanischer Kühle. Sicherlich geht es dem französischen Choreographen Rachid Ouramdane in seinem Stück "Exposition universelle" nicht…

Von Wünschen, Sehnsüchten und Träumen

 

Die Tänzer in dunklen Kostümen, die Bühne dunkel und leer, der Boden dunkelblau ausgeleuchtet, das ist der Hintergrund auf dem sich der "Lebensweg einer Frau" in Schläpfers Choreographie zum dritten Klavierkonzert von Alfred Schnittke entfaltet. Und dieser Lebensweg hat Höhen und Tiefen. Eine Frau erinnert sich an Begegnungen und Trennungen. Abhängigkeit, Freiheit, Liebe sind Themen dieser…

Kritiken

Abwärts

Haushohe Bretterverschläge, die sich verschieben, sich verdrehen, zu Labyrinthen werden, in denen sich K. in der…

Von: Dagmar Kurtz

Farbe, Form, Bewegung

Vor 100 Jahren wurde das Bauhaus in Weimar gegründet. In die vielfachen feierlichen Aktivitäten im Jubiläumsjahr, die…

Von: Dagmar Kurtz

Von Welten und Phantasien

Gleich mit drei Uraufführungen wartet "b37" in der Deutschen Oper am Rhein auf, dieses Mal ohne eine eigene…

Von: Dagmar Kurtz

Sehnsucht

Bereits zum Einlass schreitet Raimund Hoghe betont langsam die Bühne ab, eine gläserne Wasserschale tragend. So wird der…

Von: Dagmar Kurtz

Der schöne Rhein

Drei verschrobene ältere Damen treffen sich im Gartenlokal mit Blick auf den Rhein beim Kännchen Kaffee und Kuchen,…

Von: Dagmar Kurtz

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