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Schauspiel

Familienzwist in Hause Buddenbrook

Thomas Manns Roman "Buddenbrooks", im Jahr 1901 erschienen, schildert auf 700 Seiten den "Verfall einer Familie". 1929 erhielt er für diese grandiose Werk den Nobelpreis für Literatur. Naturgemäß lässt sich ein so opulentes Werk nicht in seiner ganzen Breite auf die Bühne bringen. In der Theaterfassung, die jetzt im Schauspielhaus Düsseldorf zu sehen ist, hat John von Düffel das Geschehen…

Der andere Tod

Gustav von Aschenbach, einen einzelgängerischen, berühmten, disziplinierten Schriftsteller, hat die Reiselust gepackt. Von seinem alljährlichen Sommeraufenthalt in den Bergen hat er genug, und so zieht es ihn dieses Mal nach Pola an die Adria. Unzufrieden und unentschlossen reist er jedoch bald wieder ab, nach Venedig. Auch dort verleidet ihm die stickige Luft und der modrige Geruch schon bald den…

"Herz und Mund und Tat und Leben"

Pierre Bourdieus Studien "Das Elend der Welt", 1993 veröffentlicht, liefern die Textgrundlage für das im Düsseldorfer Schauspielhaus uraufgeführte Musiktheaterstück "Herz und Mund und Tat und Leben". In seiner soziologischen Untersuchung lässt Bourdieu die Menschen mit ihren Sorgen und Nöten selbst zu Wort kommen. Für die Rahmenhandlung haben sich die beiden Autoren von "Herz und Mund und Tat und…

Russische Eiszeit

Das Eingangsbild lässt bereits erahnen, wie sich das weitere Bühnengeschehen entfalten wird. Leer, abgestumpft und voneinander isoliert hocken die drei Schwestern und ihre alte Haushaltshilfe jeweils allein an einem der im Bühnenraum großzügig verteilten Tische. Das Wohnzimmer der drei Schwestern Irina, Olga und Mascha, früher Treffpunkt der hohen russischen Soldateska, erinnert an den Charme…

Todesengel und springlebendige Wohlstandsleichen

Achtung! Der Mann ist ein grinsender Höllenhund des Kapitalismus. Als Toprepräsentant eines deutschen Rüstungskonzerns verströmt er ein unverschämtes Maximum an selbstzufriedener Arroganz. Gleich zu Beginn hält er eine köstliche Rede an Mitarbeiter und Gäste, in der er die Rolle der Waffenindustrie als globale Demokratieförderung preist. Dass er sich dabei auszieht bis auf die blutbefleckte…

"We are the Champions"

Wenn es die wichtigste Aufgabe einer Theaterkritik wäre, das Publikum zum Besuch neuer Produktionen zu verführen oder davon abzuhalten, dann würde sich der folgende Artikel erübrigen. In Sachen "Europa für Anfänger" hat dieses Publikum, der Souverän, längst entschieden, gehört doch Erik Gedeons "Abend mit Türke" seit gut zehn Monaten zu den Rennern auf dem Spielplan des Kölner Schauspielhauses.…

Virtuoses Vexierspiel

"Einmal dem Fehlläuten der Nachtglocke gefolgt - es ist niemals

gutzumachen." Ob Roland Schimmelpfennig (Jahrgang 1967) an diesen berühmten Schlußsatz aus Kafkas Erzählung "Ein Landarzt" gedacht hat, als er sein Drama "Die Frau von früher" schrieb? Sicher ist, dass auch bei ihm das Verhängnis direkt durch den Hauseingang seinen Anfang nimmt. Was geschieht da? Ein Ehepaar (nebst fast erwachsenem…

Im Neuland der Künste

Valère Novarina dürfte hierzulande wenig bekannt sein. In Frankreichs Theaterszene genießt er den Ruhm eines geliebten und gehassten, immer funkelnden Solitärs.

Er wurde 1947 als Sohn eines Architekten und einer Schauspielerin bei Genf geboren und wuchs in Frankreich auf. Spielen und konstruieren, zwei Grundzüge seines Wesens. Schon als Sechsjähriger deponierte er erste wissenschaftliche…

Der Nachwuchs als Brandbombe

„Die mögen uns noch weniger als wir uns nicht mögen“, stöhnt die hilflose Mutter angesichts ihrer pubertierenden Kinder, von denen ihr vorwiegend Hass oder Verachtung entgegenschlägt. Wenn man sich tief innen selbst nicht akzeptieren kann, wie sollen einen die Kinder respektieren? Doch das ist nur ein Teil der Problematik. Denn was immer die stressgeplagten Eltern Halbwüchsiger tun oder äußern, es…

Der Mensch - ein Untier mit Gewissensbissen

„Macbeth“ ist Jürgen Goschs sechste Inszenierung am Düsseldorfer Schauspielhaus. Jede einzelne war auf ihre Weise herausragend. Das Gorki-Stück „Sommergäste“ wurde zum Berliner Theatertreffen eingeladen und als beste Inszenierung des Jahres 2004 ausgezeichnet. Ob man als Zuschauer auf eine Arbeit von Gosch mit Zustimmung oder Ablehnung reagiert – man tut es immer mit persönlicher Betroffenheit,…

Im Sog der Wahrheit

Die neue, ausgesprochen erfolgreiche Ära des Mainfranken Theaters Würzburg unter der Ägide von Professor Hermann Schneider als Intendant und Bernhard Stengele als Schauspieldirektor hat ihre zweite Spielzeit begonnen. Im Schauspiel geschah dies mit einer sehr anspruchsvollen Inszenierung, einem Kernstück des europäischen Theaters: „Ödipus, Tyrann“ von Sophokles, uraufgeführt um 450 vor Christus in…

Nathan darf nicht sterben !

Palästina 1946. Ein polnisch-jüdisches Paar. Und ein palästinensisches Paar. Die beiden Juden hat es nach dem Holocaust hierher verschlagen; sie versuchen, in der fremden Welt eine Heimat zu finden. Palästina wird zu Israel. Die beiden Palästinenser müssen den jüdischen Einwanderern Platz machen, sie werden aus ihrem Haus geprügelt, und fühlen sich fortan in der eigenen Heimat als Vertriebene. Ihr…

Verwirrung in orange

Wenn man der Hauptfigur dieses Stücks glauben will, dann hat die berühmte orangene Revolution in der Ukraine nicht Freiheit und Begeisterung, sondern Chaos und Verzweiflung gezeitigt. Wer dort seine Sinne einigermaßen beieinander hat, will in den goldenen Westen fliehen. Offenbar besonders die Frauen. Ein fetter katholischer Geistlicher in Venedig bringt es mit einem taktlosen Witz auf den Punkt:…

Hier kommt der grosse Zampano

Es gibt immer wieder Kunstwerke, die im Bewusstsein der Menschen gleichsam über sich selbst hinauswachsen. Sie werden zu besonders geliebten, besonders gültigen Metaphern für unsere Gefühle, Gedanken, Instinkte, für unsere Phantasien, Freuden und Katastrophen.

Im Filmbereich gehört auf jeden Fall Federico Fellinis "La Strada" dazu.

Der Name der männlichen Hauptfigur, Zampano, ist sogar bis…

Veronika, der Lenz ist da !

Diese Produktion ist ein Dauerbrenner. Sie steht seit sieben Jahren auf dem Spielplan des Weimarer Nationaltheaters und entzückt ein vollbesetztes Haus, wann immer sie gezeigt wird. Und das, obwohl die legendären Comedian Harmonists kürzlich in einem Spielfilm und vorher in einem Dokumentarfilm von Eberhard Fechner plus Buch verewigt wurden. Sie sind und bleiben ein großartiges Thema. Denn…

Die Banalität des Glücks

Karin Schlüter aus der vierten Etage hat ein Problem. Denn Frau Schlüter ist eine Kotzerin. Eigentlich will sie Punkt 15 Uhr eine tragische Gestalt sein - um viertel nach zwölf Uhr schluckt sie erst ein Brötchen, dann Tabletten. Der für die Todesstunde beorderte Fruchtsaftlieferant Miroslav Vulvic soll sie sterbend in ihrem schönsten Kleid auffinden: Ein letzter Gedanke - „Miroslav“ - dann…

Stell dir vor, es ist Krieg

Julien Green wurde 1900 in Paris geboren, als Sohn amerikanischer Eltern aus Georgia. Er starb erst 1998. Das 20. Jahrhundert hat er durchlebt und beobachtet, seine Romane und Tagebücher brachten ihm Weltruhm. Obwohl er fast sein ganzes Leben in Frankreich verbrachte, spielt Amerika und speziell die Geschichte der Südstaaten eine grosse Rolle in seinem Werk. Sein erstes Theaterstück "Süden"…

Vater Courage

Köln hat eine springlebendige Theaterszene. Neben den großen städtischen Musentempeln bereichern viele kleinere und kleine Bühnen das künstlerische Erscheinungsbild. Sie kämpfen in fruchtbarer Konkurrenz, aber leider meistens mit geringen Unterstützungsmitteln um ihre Existenz. Und um die Aufmerksamkeit des Publikums. Vor vier Jahren kam ein neuer theatralischer Spielraum dazu, an der…

Genie und Wahnsinn

Die junge Frau ist der Anstaltsmisere einer psychiatrischen Klinik ausgeliefert. Sie spricht unaufhörlich von ihrem Leiden. Sie ist fast nie allein. Ärzte mit ihren Formeln, Patienten mit ihrem Schweigen, ein Freund mit seinen Liebesbeteuerungen, sie kommen und gehen, sie nähern sich und entfernen sich wieder. Berührungen, Fragen, Antworten. Alles wird immer schemenhafter, nichts erreicht sie…

Warten auf die Ausserirdischen

Der Boden steigt nach hinten leicht an und leuchtet in magischem Königsblau. Darauf gammelt ein Kneipenmobiliar, dessen Kümmerlichkeit zum Himmel schreit. Der Wirt hat das Lokal mit dem ominösen Namen 'Wegsend' gerade erst eröffnet, sieht sich aber durch ein nahes 'Fun Center' bereits der Pleite entgegentreiben. Heute ist Silvester; wird sich außer dem Stammgast, einem trunksüchtigen Opa,…

Ekstase, Grausamkeit und Ritual

Unter dem Titel MANIA THEBAIA, DER THEBANISCHE ZYKLUS, zeigt das Düsseldorfer Schauspielhaus in dieser Spielzeit vier grosse altgriechische Tragödien, die sich mit der Stadt Theben und ihrer sagenumwobenen Geschichte befassen.

 

Ein Projekt, das offenbar schon in der Planung über einen herkömmlichen Theatersaal als Spielort hinauswuchs. Gesucht wurde ein monumentaler Austragungsraum für die…

Künstlermutter mit Courage

Peter Kerns 'Theatersommer' mit drei Uraufführungen im Düsseldorfer Schauspielhaus handelt von den spektakulären Themen Genie und Verbrechen am Rhein. Das Hauptstück schrieb er selbst über ein legendäres Original aus Düsseldorfs Kunst-Geschichte: die sogenannte 'Mutter Ey'.

 

Johanna Ey war ein armes, früh von zuhause verstoßenes Mädchen. Dann eine resolute junge Frau, die nach schlimmer Ehe ihre…

Emotionale Zeitbomben - Zärtlich

Eng verwoben oder lose verknüpft, wir betrachten ein Geflecht von Schicksalen, wie sie für das Leben in der westereuropäischen, grossen, geschäftigen City typisch sind. Trash ist die erfolgsorientierte, quirlige Single-Frau um die Dreissig, in der Werbebranche tätig, immer auf der Suche nach dem noch besseren Job und dem noch tolleren Mann. Vor ihrem hartnäckigsten Liebhaber, einem jungen Arzt…

"Das Ballhaus", Erinnerung an ein Jahrhundert

Münchens Theaterpublikum ist mobil und flexibel. Wo etwas Exquisites zu sehen ist, strömt es hin. In Freiman gibt es ein zum Theater ausgebautes altes Kino, das Metropol. Unter der frischen Direktion von Jochen Schölch steht es im Moment ganz oben auf der Leiter der Publikumsgunst. Was gegenwärtig gespielt wird, kann man fast schon eine Kult-Insznenierung nennen. Jedenfalls ist sie immer und auf…

Zwang und Drang - Fessle mich

Almodovars Filme mit ihren hochsensiblen, liebenswerten, durchgeknallten Typen und Themen haben eine durchschlagende Anziehungskraft und eine grosse Fangemeinde. Kein Wunder, dass auch das Theater nach den herzzerreissenden Szenen aus dem gestörten modernen Stadtleben greift.

 

In Kölns unerhört lebendiger Theaterszene ist Almodovars Panoptikum nun ebenfalls angekommen. Das Theater TIEFROT ist…

Die sexuellen Neurosen unserer Eltern

Auf dem Weg zum Schauspielhaus in Basel befiel mich an diesem Abend ein leises Herzklopfen. Denn ich gehöre zur Elterngeneration, Lukas Bärfuss ist ein junger Autor, und ich dachte, nun wird mir sicher gnadenlos vorgerechnet, was die Jungen als unsere seelisch-sinnlichen Verrenkungen bilanzieren.

So kam es, aber es kam auch ganz anders, und es war beeindruckend und wunderbar und hinreissend.

Eine gebrochene Rose - Emilia Galotti

Lessings Situation war verzweifelt. Hoffnungsvoll hatte er seine Arbeit als Dramaturg am neugegründeten Nationaltheater in Hamburg mit einem anspruchsvollen Programm begonnen - aber die Bühne schloss nach einem Jahr wegen Erfolglosigkeit und Zerstrittenheit. Gleichzeitig machte er Konkurs mit einer eigenen Verlagsdruckerei, die für Schriftsteller bessere Bedingungen schaffen wollte. Lessing war…

Schreiende Verwirrung - "Prinz Friedrich von Homburg"

Der Prinz von Homburg quält sich mit der Frage, ob das alles ein Traum war, oder ob er es im Halbschlaf wirklich erlebt hat. Nämlich, dass ihm der Kurfürst, in dessen Dienst er immer wieder gegen die Schweden in den Krieg zieht, den Siegeskranz wegnahm und seiner Nichte Natalie übergab. Einen Handschuh der jungen Dame hält der Prinz beim Erwachen in der Hand. Er verliert sich nun in seine…

Bayerisches Staatsschauspiel im Cuvilliés-Theater: "Auf dem Land"

Das Bayerische Staatsschauspiel bietet mit diesem Abend im wunderschönen Rokokosaal des Cuvilliés-Theaters ein stilistisches Kontrastprogramm. Ein englisches Stück in der Tradition des Konversationstheaters mit seinen leisen Tönen und behutsamen Handlungsmustern, eine ernste Konzentration auf das Schicksal dreier Menschen, somit auf die individuelle Strahlkraft dreier Schauspieler.

 

Ein Arzt…

Albtraum in Afghanistan - Homebody/Kabul

Homebody heisst so viel wie Stubenhocker. Gemeint sind wir saturierten, relativ sorglosen, leicht verfetteten Mitteleuropäer in den hochzivilisierten Industrieländern, die wir in unseren Eigenheimen sitzen und von Abenteuern in fremden, geheimnisvollen, gefährlichen Ländern träumen.

 

Ein solches Stubenhockerexemplar, beheimatet in London, sehen wir in der ersten Stunde des bemerkenswerten Stücks…

Kritiken

Zwischen Leichtigkeit und Schwere

Mit gleich drei neu konzipierten Stücken wird das Düsseldorfer Publikum vom Ballettabend "B39" in der Deutschen Oper am…

Von: Dagmar Kurtz

Der Sturm im Wasserglas

Ein schwarzgekleideter Mann in einer Sporthose mit den drei berühmten Streifen und mit Motorradhelm steht auf der Bühne,…

Von: Dagmar Kurtz

Stilwechsel

Ein Stück von John Ford, einem Zeitgenossen William Shakespeares, bildet die Grundlage für das Libretto der soeben…

Von: Dagmar Kurtz

Abwärts

Haushohe Bretterverschläge, die sich verschieben, sich verdrehen, zu Labyrinthen werden, in denen sich K. in der…

Von: Dagmar Kurtz

Farbe, Form, Bewegung

Vor 100 Jahren wurde das Bauhaus in Weimar gegründet. In die vielfachen feierlichen Aktivitäten im Jubiläumsjahr, die…

Von: Dagmar Kurtz

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