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Auflösung

 

Ein rechteckiger Lichtfleck auf dem Bühnenboden bezeichnet den Aktionsradius von Hiroaki Umeda in seinem Solostück "Accumulated layout". Zunächst bewegt er kaum merklich nur eine Hand, um dann mit gewohnt weichen, präzisen Bewegungen zu elektronischer Musik seine Bewegungen allmählich bis zur Erschöpfung auszuweiten.

 

Ist er in diesem Stück noch sichtbar, so scheint er sich in seinem zweiten…

Der verführte Verführer

 

Don Giovanni der Verführer, der ewige Frauenheld? Karoline Gruber wirft in ihrer Insze¬nierung für die Deutsche Oper am Rhein einen genaueren Blick auf das Libretto und zeigt, dass die Damen sich nur allzu gern von ihm verführen lassen, sind ihre Verlobten doch durchweg spießige Langeweiler. Und die Gewaltanwendung erfinden sie, um ihren guten Ruf zu wahren. Karoline Gruber zeigt, dass die…

Im Strudel der Gefühle

 

Ein zunächst leichter, leiser Bewegungsimpuls entwickelt sich in atemberaubenden Tempo in fließenden Bewegungen weiter. Körperzittern wird bei Louise Lecavalier zu einer ungeheuer faszinierenden weichen Gelenkigkeit, die an Schlenkerpuppen ohne Knochenbau denken lässt. Ihr Bewegungsvokabular orientiert sich an Hiphop- und Techno-Bewegungen. Zwischendurch fließen auch Körperhaltungen des Yoga…

Beziehungen

 

Es ist das Vokabular des klassischen Tanzes, das George Balanchine in seinem 1941 uraufgeführten Werk "Concerto Barrocco" verwendet, jedoch erlaubt er sich subtile Modifikationen. Er lässt Arme schwingen, Hüften werden ausgestellt, parallele Fußstelllungen werden mit angezogenem Knie und herausgestrecktem Gesäß verschliffen. Das Corps de ballet aus acht Tänzerinnen, in überwiegend zwei…

Die Schönheit der Reduktion

 

Die Bühne ein leerer dunkler Raum. Zu Bachs "Air" erscheinen nach und nach acht Tänzer und schreiten das Bühnenkaree ab. Im Rhythmus dazu das Klackern der Stöckelschuhe der beiden Tänzerinnen. Nichts weiter als Gehen in einem sich repetierenden Fluss. Körper, die der Musik zu lauschen scheinen. Körper, die die Geometrie des Raumes und die Geometrie der Gesten erkunden. Hoghe spart an Gesten. Er…

Es bleibt in der Familie

 

Richard von Gloucester wird weder gefürchtet noch geliebt. In Staffan Valdemar Holms Inszenierung für das Düsseldorfer Schauspielhaus macht man sich lustig über ihn, imitiert sein Krüppeltum, hetzt verbal eine Hundemeute auf ihn. Auf einem Sammelsurium von Stühlen haben die Schauspieler Platz genommen. Sie verfolgen unbeteiligt das Geschehen, es sei denn ihr Auftritt hat zu erfolgen. Auf den…

“Narcisses” von Coraline Lamaison im Tanzhaus NRW in Düsseldorf

 

Die Selbstbeweihräucherung der Kunstszene nimmt Kate Strong ironisch auf die Schippe. Das scheinbar nicht enden wollende Name-dropping von illustren Regisseuren und Choreographen kehrt sie um, indem sie behauptet von diesen allen gefeuert worden zu sein, was natürlich impliziert, dass sie zunächst erst einmal von ihnen engagiert worden sein muss, gleichzeitig damit andeutend, verkannt und…

Endloses Warten

 

Wie Marionetten hängen die Tänzerinnen an Gurten bevor sie von einem Magier zum Tanzen gebracht werden. "Non finito" von Evgeny Panfilov Ballet/Larisa Alexandrova spielt mit der Geschichte der mechanischen Puppe wie sie auch schon in Coppélia erzählt wird. Neu ist hier die freakhafte Gestalt des Magiers, der genauso wie seine Puppen zu Tangomusik der 30er Jahre einem Schuhfetischismus frönt. Und…

Freiheit bis in den Tod

 

Leidenschaft, Eifersucht und unbändiger Freiheitsdrang, das sind die Ingredienzien von Georges Bizets Oper "Carmen", die aufgrund ihrer Erzählstruktur und der eingängigen Musik zu einer der beliebtesten Opern zählt. Carmen ist eine Frau, die sich keiner Regel und keinem Menschen unterwerfen will und, statt ihre Freiheit einzuschränken, lieber den Tod wählt. Don José ist derjenige, der all sein…

Ein teuflischer Pakt

 

William Hogarths berühmte Kupferstichserie aus den Jahren 1732/33 über die Abenteuer eines Wüstlings hat Igor Strawinsky zu seiner gleichnamigen Oper "The Rake's Progress" inspiriert. Hogarth ist dabei moralisch-satirisch, Strawinsky macht daraus eine Moritat in Mozart'scher Manier.

 

Größer könnte der Kontrast nicht sein: Im ersten Bild idyllisches Landleben, ein schlichtes, karges Holzhaus in…

Tänzerische Verführungen

Wie entsteht ein Kunstwerk? Antoine Jully gibt in seiner Choreographie von "Inside" einen Einblick in den künstlerischen Schaffensprozess und beantwortet diese Frage auf unge¬wöhnliche Weise. Ein Künstler sitzt an einem Zeichentisch und führt eine Tänzerin als Pinsel über ein imaginäres Stück Papier. Bald jedoch werden die Bewegungen abstrakter. Die Begrenzung der Malerei auf die Fläche wird hier…

Im Kino der Gefühle: Rolle rückwärts ins Glück?

Im nordischen Irgendwo stehen Wohncontainer in schneeiger Landschaft. Hell beleuchtet gewähren sie dem Zuschauer Einblicke ins Alltagsleben eines verliebten Pärchens, einer schwangeren Singlefrau, eines Arbeitslosen auf Freiersfüßen, eines Callboys. In "32 rue Vandenbranden" erzählt Peeping Tom ein groteskes Wintermärchen aus einer Welt zwischen Traum und Wirklichkeit. Komisch, humorvoll und…

Vom Schaufeln der Erde

Erde, tonnenweise dunkelbraune Erde den Bühnenboden bedeckend. Keine Spuren von Vegetation. Hinter einem kleinen Hügel steigen menschliche Wesen hervor. Assoziationen zu Bildern anderer Stücke stellen sich ein, an die in Erde eingegrabene Winnie aus Becketts "Glückliche Tage", an Pina Bauschs "Sacre du Printemps", an Antigone, die in der Erde scharrt, an die Erschaffung des Menschen... Und…

Schwärmen in Sevilla

Es ist eine alte Geschichte um Liebe, Rivalität und Geld, wobei letzteres bei weitem das Hauptinteresse zu sein scheint. Die reizende Rosina wird von ihrem Vormund Doktor Bartolo wie eine Gefangene gehalten. Um sie sich und vor allen Dingen ihr Vermögen zu sichern, bereitet Bartolo die Hochzeit mit ihr vor. Graf Almaviva bekundet ebenfalls Interesse an der Schönen und schaltet Figaro als…

Sportlich

Anlässlich einer Ausstellung zum Werk von Yvonne Rainer im Kölner Museum Ludwig waren im Tanzhaus NRW in Düsseldorf zwei ihrer Stücke als deutsche Erstaufführung zu sehen. Yvonne Rainer gründete 1962 zusammen u. a. mit Trisha Brown und Meredith Monk das Judson Dance Theater, in dem der postmoderne Tanz seinen Ursprung hat. Damals geradezu revolutionär war die Integration von Alltagsgesten und…

Die Tragik der Illusion

 

Ein riesiger schwarzer Schiffsbug ragt in die mit japanischen Papierwänden umstellte Bühne. Rote Stege mit der Kontur der japanischen Inseln bedecken den Boden. Die Bühnenaus¬stattung weist damit symbolisch auf den Konflikt in der Oper "Madama Butterfly" hin, die jetzt als Wiederaufnahme einer Inszenierung aus dem Jahre 1997 in der Deutschen Oper am Rhein zu sehen ist. Robert Carsen beruft sich…

Lichtblitze in der Dunkelheit

 

Ein Lichtband, das über die Bühnenwand läuft, ist zunächst das Einzige, was sich in Saburo Teshigawara Stück "Mirror and Music" bewegt, während ein Tänzer, es ist Teshigawara selbst, bewegungslos bleibt. Dann fallen kurze Spotlights auf einzelne Szenen, während der Rest der Bühne in vollkommener Dunkelheit bleibt. Die Tänzer in dunklen Kutten, nur ihre Gesichter sind partiell erhellt. Kleine…

Verborgenes

 

Ein Vorhang aus eisernen Ketten schirmt den quadratischen Hinterhof ab. Es ist ein Ort der sexuellen Übergriffe, der Gewalt, ein Ort, der dem Blick der Öffentlichkeit entzogen ist. Das Geschehen spielt sich im Verborgenen ab, bis die Ketten krachend zu Boden fallen. In Ihrem Stück "Backyard" nehmen sich Uri Ivgi und Johan Greben des Themas des Missbrauchs an, das aber ästhetisch sehr soft…

Ein Leben in Angst

 

Das Gefühl der Angst bestimmt Blanches Leben von Geburt an. Ihre Mutter musste anlässlich eines Festes vor der in Panik geratenen Menge fliehen, bei der zu frühen Niederkunft stirbt sie. Während der Vater Blanches Ängste gar nicht wahrnimmt, neigt ihr Bruder dazu, sie zu sehr zu beschützen, was erst recht zu einer Manifestation dieser existentiellen Ängste führt. Aus Angst vor der Angst tritt…

Liebeswirren

Ein Opernstoff im Kleines Haus des Schauspielhauses, kann das gut gehen? Ja, es kann. Können die singen? Ja, sie können (jedenfalls fast alle).

 

Eine halbrunde Bühnenwand aus lauter Tapetentüren, oben, unten, mittig, rechts und links, ein kostbares Intarsienparkett und zwei Cembali reichen als Bühnenausstattung. Ein Orchester gibt es nicht, daher wird die Ouvertüre vom Team auf "pam" a capella…

Kein Glück nirgends

 

Glück, was ist das? Ein mehr oder weniger kurzer Zustand vollkommener Zufriedenheit und Wunschlosigkeit, ein erhebendes Gefühl, das man zu erhaschen und festzuhalten sucht. In "The Happy Living Trilogy" scheinen Stephanie Thierschs Protagonisten jedoch meilenweit vom Glück entfernt.

 

In dem Solo "White Landing", dem ersten Teil der Trilogie, versucht die Tänzerin I-Fen Lin sich schmerzhaft und…

Ein himmlischer Festakt

 

Castor und Pollux sind Zwillingsbrüder, in einer Nacht gezeugt, dieselbe Mutter, zwei verschiedene Väter. Jupiter ist der Vater von Pollux, was diesen zum Halbgott und damit unsterblich macht. Castor dagegen ist ein normaler Sterblicher. Die Brüder sind sich innig zugetan. Beide lieben dieselbe Frau, Télaire, die aber nur Castor liebt und einem Dritten, Lynkeus, versprochen ist. Im Kampf mit…

Der Körper als Objekt

 

Abstrakt, kühl, minimalistisch, von höchster Präzision, mit anstrengendem, technischen Sound und ausgeklügelter Lichtführung, das ist die Gemeinsamkeit beider Stücke des japanischen Choreographen Hiroaki Umeda, die jetzt im Tanzhaus NRW zu sehen waren.

 

Für das Stück "3 isolation" mussten die drei Balletttänzerinnen ihre klassische Ausbildung vergessen und ihren Schwerpunkt von der Spitze auf…

Verfall und Verbrechen

 

St. Petersburg im Jahre 1920. In den Wirren der Revolutionstage herrscht Unsicherheit, Hilflosigkeit und Hunger. Während einige den alten Zeiten nachhängen, andere Haltung zu bewahren, sich zu arrangieren oder in religiösem Erweckungserlebnissen eine Gegenwelt aufzubauen suchen, übernehmen Schieber und Schwarzmarkthändler die Macht; sie sind die großen Profiteure der Umbruchsituation. Gewalt und…

"Exposition universelle" von Rachid Ouramdane im Tanzhaus NRW in Düsseldorf

 

Ein tickendes Metronom, ein lautsprecherartiges Objekt, eine kreisende Stehlampe, auf einer sich langsam bewegenden Drehscheibe ein pechschwarz geschminkter Mann. Eine Bühne voller technischer Spielereien, aber anders als bei den poetischen Tinguely-Objekten von mechanischer Kühle. Sicherlich geht es dem französischen Choreographen Rachid Ouramdane in seinem Stück "Exposition universelle" nicht…

Von Wünschen, Sehnsüchten und Träumen

 

Die Tänzer in dunklen Kostümen, die Bühne dunkel und leer, der Boden dunkelblau ausgeleuchtet, das ist der Hintergrund auf dem sich der "Lebensweg einer Frau" in Schläpfers Choreographie zum dritten Klavierkonzert von Alfred Schnittke entfaltet. Und dieser Lebensweg hat Höhen und Tiefen. Eine Frau erinnert sich an Begegnungen und Trennungen. Abhängigkeit, Freiheit, Liebe sind Themen dieser…

Rasender Stillstand

"Ich bin wie Othello – mein Tagwerk ist vorbei" – soll Richard Wagner auf seinem Sterbebett gesagt haben. Ob diese von seiner Ehefrau Cosima berichtete Geschichte stimmt oder nicht, Tatsache ist, dass es dabei um die Lebensbilanz eines Mannes geht, der der Nachwelt große Werke, vollendete Projekte hinterlassen hat.

Now & Next FORUM im Tanzhaus NRW in Düsseldorf

Wieder einmal konnte der Zuschauer vier sehr unterschiedlichen Positionen des Choreographennachwuchses im Tanzhaus NRW im jüngsten Now und Next kennenlernen.

 

"Die Geschichte vom gar traurigen Feuerzeug" aus dem Kinderbuch Struwwelpeter dient Sanja Tropp Frühwald als Grundlage ihres Stückes "Vanishing Acts # 3". Sie verwendet einzelne Elemente aus dieser Geschichte, z.B. Asche, das Maunzen der…

Ironisches Verwirrspiel

 

Was ist Rolle, was ist Authentizität? In Ben J. Riepes neuem Stück "Untitled: Natura" versuchen die Darsteller den Zuschauer aufs Glatteis zu führen, wenn sie ihn wie in der Vorstellungsrunde einer therapeutischen Gruppensitzung mit Identifikationsproblemen bekannt machen. Selbstverständlich gehört auch das zur Rolle.

 

"Nein, ich bin nicht betrunken" säuselt die Tutu tragende zierliche…

Kritiken

Amerikanische Avantgarde

Mit gleich vier Stücken amerikanischer Choreographen der Moderne, die die amerikanische, aber auch die internationale…

Von: Dagmar Kurtz

Kein Ort. Nirgends.

Ein goldener Läufer, golden wie eine Rettungsdecke, nimmt die Mitte der Bühne ein. Im Hintergrund liegt ein Mensch in…

Von: Dagmar Kurtz

Ende einer Spaßgesellschaft

Eine reiche, leicht exzentrische Gesellschaft trifft sich in Hollywood zur Poolparty auf einem luxuriösem Anwesen. Sie…

Von: Dagmar Kurtz

Clubnacht

Die Bühne schwarz, der Bühnenboden mit dunkler Erde und Plastikbechern bedeckt. Eine Frau kommt aus dem Dunklen und…

Von: Dagmar Kurtz

Distanziert

Man hat sich fein gemacht für das Fest bei den Capulets, alles glänzt und glitzert, die Damen tragen weite Tellerröcke…

Von: Dagmar Kurtz

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